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WAS MACHT HITZE MIT UNS?

WIE HITZE UNSER LEBEN BEEINFLUSST

  • Der Klimawandel verändert die Welt und die Zahl der Hitzetage steigt sprunghaft an. Daraus resultieren hohe Temperaturen im Sommer und in heißen Ländern. Diese erhöhen aber die körperliche Belastung und gefährden die Gesundheit der Menschen.

    Warum? Alle Prozesse im Körper funktionieren bei einer Körpertemperatur von ca. 37 Grad Celsius (36,8 Grad) optimal. Zur Aufrechterhaltung dieser Temperatur schwitzt der Körper, um durch die Verdunstung des Schweißes auf der Haut den Körper zu kühlen.

    Für diese Thermoregulation wendet der Körper allerdings 80 Prozent der Energie auf. Energie, die nicht mehr für andere Prozesse im Körper zur Verfügung steht.

    Im Extremfall kommt es aufgrund des hohen Energieverbrauchs, der damit verbundenen hohen Herzfrequenz und der Dehydrierung zu Erschöpfungszuständen und im Ernstfall zu Hitzekrämpfen oder einem Hitzekollaps.

    Außerdem verstärkt Hitze die Thrombosebildung, mit den daraus resultierenden Gefahren. Auch die Lunge ist an der Thermoregulation des Körpers beteiligt, was viele Lungenpatienten überfordert. Dies alles gefährdet die Gesundheit – nicht nur kurz- sondern auch langfristig.

    SCHWITZEN BRAUCHT ENERGIE

    Schwitzen geht nur mit hoher Herzfrequenz.  Das bedeutet aber eine hohe Herz-Kreislaufbelastung. Das Herz ist der Motor unseres Körpers. Genauso wie beim Motor bedeutet eine hohe Frequenz – wie bei einem Rennwagen – zwar eine hohe Leistung, aber auch hohen Verschleiß. Jeder Traktor mit niedriger Frequenz hält deutlich länger. So oder so ähnlich verhält es sich auch beim Motor des Körpers. Wer also auf lange Sicht gesund bleiben will, der lebt mit niedrigerer sprich normaler Herzfrequenz. Das bedeutet aber auch – unbedingt weniger Schwitzen!

    Dazu kommen viele Vorerkrankungen, deren Symptome sich durch Hitze weiter verstärken oder aufgrund der Grunderkrankung neue Gesundheitsprobleme dazukommen. Jeden Sommer steigt die Anzahl der Berichte über extreme Hitze. Deutlich mehr Krankenhausaufenthalte und Todesfälle aufgrund der Hitze sind an der Tagesordnung.

    Hitzewellen fuhren laut einer Publikation der Uni Heidelberg zu erheblichen Übersterblichkeiten in der Bevölkerung, die im Ausmaß denen einer Grippewelle nahekommen können. Im Hitzesommer 2003 kam es in Europa zu 50.000–70.000 hitzebedingten Todesfallen. Dabei waren in Deutschland 2003 etwa 7600 Todesfalle zu verzeichnen. Das Landesamt für Gesundheit in Baden-Württemberg gab 2018 bekannt, dass die Hitzewellen im Jahr 2015 allein hier zu etwa 2000 zusätzlichen Todesfallen geführt haben. Auch in weiteren Regionen und Städten wie Bayern, Brandenburg, Berlin, Essen oder Frankfurt wurde eine erhöhte Sterberate im Zusammenhang mit Hitzewellen nachgewiesen.

    Der Sommer 2018 brach alle Hitzerekorde. 2019 war tagelang extrem heiß und in Zukunft sollen die Hitzetage um das Doppelte ansteigen, meinen die Klimaforscher der Vereinten Nationen. Ist die Gesellschaft und sind die Gebäude in Deutschland darauf vorbereitet? Wohl eher nicht: Es wurde in den vergangenen Jahrzehnten zu eng und zu viel mit Glas gebaut, an gut durchdachten Klimaanlagen oder anderen Kühleinrichtungen dagegen – aus Kostengründen – oft gespart. Laut dem Gemeinderat und dem Baubürgermeister z.B. in Ulm soll die Stadt eher noch enger und höher werden. Das hört sich nicht nach kühler an. Wie also kommt man raus aus dem Hitze-Dilemma?

    HÖHERER STROMVERBRAUCH IM SOMMER

    Gerade die nachträglich eingebauten, kleinen Klimageräte sind richtige Stromfresser. Doch die wenigsten der Gebäudeeigentümer und der städtischen Entscheidungsträger planen die Hitze von Anfang an mit ein. Eine umweltfreundliche Klimatisierung wird immer noch als überflüssiger Luxus angesehen. Das geht auf Kosten der Umwelt und der Gesundheit des Menschen. Denn gerade dort, wo zusätzliche Kühlung am nötigsten wäre – in Schulen, Seniorenzentren oder Krankenhäusern – sind Klimaanlagen Mangelware. Für Alte und Kranke kann der Sommer im schlimmsten Fall lebensgefährlich werden. Das zeigen die Studien der Charité oder des Helmholtz-Instituts, die bei chronischen Lungenerkrankungen oder bei Herz-Kreislaufvorerkrankungen ein um bis zu 43 Prozent höheres Sterberisiko an Hitzetagen oder bei Hitzewellen eruiert haben. Gerade in Zeiten mit Infektionsgefahr, wie z.B. Grippewellen kann das zusätzliche Risiko der Hitzebelastung bei diesen Patienten das Zünglein an der Waage sein.

    Im Stadtklinikum Dessau gibt es inzwischen einige wenige gekühlte Patientenzimmer. Allerdings nur auf der „Hotelstation“ des Krankenhauses. Sie hat 16 Zimmer. Der klimatisierte Luxus kostet den Patienten pro Nacht 119 Euro extra. Für alle 1.280 Patientenzimmer ist diese Art der Kühlung aber nicht finanzierbar.

    „Die Kühlung von Gebäuden ist mittlerweile schon zwischen März und November nötig“, betonte Prof. Dr. Uwe Franzke vom Institut für Luft- und Kältetechnik in Dresden gegenüber dem MDR. Der Bedarf variiert natürlich, je nach Sonneneinstrahlung, Himmelsrichtung und Bauweise. Die Hitze kommt! Vorbereitet sind wir darauf nicht. Stadtplaner bauen zu hoch und zu dicht für kühle Luft. Pflanzen, Bäume oder Parks sind Mangelware. Politiker blenden den Sommer in der Energiedebatte eher aus. Heizungen sollen modernisiert werden aber was ist mit Klimatisierung? Moderne Architekten entwerfen transparente Schwitzkästen und erhalten dafür Designpreise. Auch im Sommer klettert die Stromlast inzwischen auf Spitzenwerte. Bereits im Sommer 2012 wurden sogar bis zu 20 Prozent mehr Stromverbrauch als im Winter berichtet. Das feuert auch den CO2-Ausstoß und damit den Klimawandel, der zu noch mehr Hitzetagen führt, weiter an. Draußen über 30 Grad, drinnen kaum kälter – so sind die Sommer inzwischen in Deutschland und Europa. 2015 brachen alle Rekorde und die BG Bau (Berufsgenossenschaft Bau) meldete deutlich mehr Hitzetote. Aber man muss nicht im Freien am Bau arbeiten. Ein Büro oder die Hausarbeit in den eigenen vier Wänden tut es auch. Das betonen auch die Mitarbeiter im neuen Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle. Seit es das Haus gibt, stöhnen die Mitarbeiter über Hitze am Arbeitsplatz, wie Jutta Stadler: „Es läuft das Wasser in Strömen vom Leib.“

    Ein Film des Mitteldeutschen Rundfunk aus dem Jahr 2016, dem auch die Zitate in diesem Textbereich entstammen, zeigt die Extreme auf.

    Durch die Klimaerwärmung schmelzen die Gletscher und somit steigen die Meeresspiegel, mit weiteren Folgen für die Erde. Vielen Menschen und Politikern ist das aber zu abstrakt. Es handelt sich um Auswirkungen des Klimawandels, die von den meisten Menschen nicht selbst wahrgenommen werden. Deshalb passiert zu wenig.

    Tatsache ist aber, dass bereits heute Millionen Menschen unter Hitze leiden und sich viele Erkrankungen bei hohen Temperaturen verschlimmern. Zudem steigt die Sterberate bei Hitzewellen je nach Vorerkrankung, um bis zu über 40 Prozent an. Darunter leiden Menschen mit Erkrankungen wie COPD, Herz-Kreislauferkrankungen, Multiple Sklerose, Parkinson und viele mehr. Aktuelle Studien zeigen auch eine Verbesserung von Zucker- und Fettstoffwechselparametern durch Kühlung, was für Diabetiker und weitere Betroffene wichtig ist.

    Allein in Deutschland betrifft das über 10 Millionen Menschen. Weltweit sind mindestens 100 Millionen Menschen von Erkrankungen mit Hitzeproblemen betroffen. Das ist keine Zukunftsvision, sondern bereits heute das Erleben vieler Menschen und diese Zahl wird steigen.

    Da die Politik, trotz zahlreicher Versuche, den CO2-Ausstoß auf der Welt nicht entscheidend regulieren kann, sind neue Maßnahmen gefragt. Der Ruf nach weiteren Klimaanlagen für die von Hitze Betroffenen ist eher kontraproduktiv, da dadurch der CO2-Anstieg und damit die Klimaerwärmung weiter verstärkt werden.

    Außerdem sagen die Prognosen der Klimaforscher eine Verdopplung der Hitzetage bis 2020 voraus. Entwarnung sieht anders aus. Aber – es gibt eine Lösung!

     

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